Ins Wasser gefallen... 07.09.2008

Mit viel Vorfreude und gutem Gefühl reiste ich am letzten Freitagabend ins Tessin, um mich dort auf den Start zum Mitteldistanztriathlon in Locarno vorzubereiten. Die Wetterprognosen prophezeiten zwar einen nassen Sonntag, aber Regen war ich mir vom Ironman in Zürich ja bereits gewohnt. Schade zwar um die schöne Spätsommerstimmung, die am Triathlon in Locarno jeweils herrscht, aber das war wohl nicht zu ändern.

Da ich die Radstrecke im Maggiatal bereits recht gut kannte, wollte ich am Samstag nicht mehr mit dem Rad ins Tal fahren. Um jedoch zu schauen, wie sich das Regenwetter der vorangegangenen Tage ausgewirkt hatte, nahmen wir per Auto einen Augenschein und mussten feststellen, dass doch da und dort bereits grössere Bäche über die Strasse flossen. Da konnte ich nur noch hoffen, dass der Regen bald aufhören würde, damit sich die Lage wieder etwas beruhigt.

Am Athletenbriefing am Samstagabend erfuhren wir, dass nicht nur die grossen Wassermengen im Maggiatal, sondern auch das angeschwemmte Treibholz im See zum Problem werden könnte. Zudem waren für den Sonntagmorgen Gewitter angesagt, was zumindest für die Schwimmstrecke nicht ideal war. Es wurden verschiedene Szenarien präsentiert, die von Duathlon, über Triathlon mit gekürzter Radstrecke bis zu Rennabsage führten.

Am Sonntagmorgen schien das Wetter zwar zunächst etwas ruhiger. Beim Betreten der Wechselzone wurde jedoch klar, dass sich die Bedingungen nach wie vor nicht gebessert hatten. Ohne Schuhe und das Rad tragend "watete" ich durch den knöcheltiefen Schlamm zu meinem Wechselplatz, der sich bis dato zum Glück noch mit relativ festem Untergrund präsentierte. Während des Einrichtens der Wechselzone kamen Böen auf und erste Sturmwarnlichter waren am Ufer der anderen Seeseite zu sehen. Entsprechend war das Wasser unruhig und wellig und es schien nicht wahrscheinlich, dass der Wettkampf planmässig mit 2.5km Schwimmen durchgeführt werden könnte.

Nichtsdestotrotz erhielten wir ca. 30 Minuten vor unserer Startzeit die Nachricht, der Wettkampf würde normal gestartet und es wären die geplanten Distanzen zu absolvieren. Ich war sehr überrascht über diesen Entscheid, hörte man doch bereits erstes Donnergrollen.

Wie erwartet war der Schwimmabschnitt nicht ganz einfach zu bewältigen, da die Wellen relativ viel Kraft erforderten und auch die Orientierung nicht unbedingt einfacher machten. Aber alles in allem verlief das Schwimmen für mich passabel und ich kam ohne Probleme zurück in die Wechselzone. Da galt es, den Wechsel so zu gestalten, dass man möglichst wenig Schlamm mit in die Veloschuhe nahm. Der Seepegel war unterdessen allerdings weiter angestiegen und kam unseren Wechselplätzen bedenklich nahe. Ich hatte jedoch nicht viel Zeit, mir darüber Gedanken zu machen: Denn einmal auf dem Rad, war ich mit sehr viel Wasser konfrontiert, da es wieder stark zu regnen begonnen hatte. Aufgrund der langanhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage war der Boden nicht mehr in der Lage, das Regenwasser zu absorbieren und es bildeten sich ganze Bäche auf der Fahrbahn. Diese nahmen noch zu, je weiter ich ins Maggiatal hineingefahren war. Bald war klar, dass der Wendepunkt anstatt erst bei Kilometer 40 bereits früher sein würde, denn die vor uns gestarteten Männer kamen mir relativ früh wieder entgegen.

Trotz der widrigen Wetterverhältnissen fühlte ich mich sehr gut und ich konnte schnell ein paar Plätze gut machen. Ich war dem See als 7. Frau entstiegen und gab nun alles, möglichst schnell nach vorne zu fahren. Dies gelang mir recht gut und mein Rückstand auf die Spitze hatte sich bis zum Wendepunkt (der bereits bei Kilometer 15 war) bereits wesentlich verkleinert. Nach der Wende gings hauptsächlich abwärts und ich konnte trotz Regen relativ hohe Geschwindigkeiten fahren. Mein Rad erwies sich als "regensicher", meine Brille allerdings weniger. Vielleicht war es einfach auch die Stärke des Regens, ich sah jedenfalls zeitweise gar nichts mehr durch die Brille und musste sie runterziehen, um überhaupt etwas zu sehen.

Ca. 5 Kilometer vor Locarno winkte mich dann ein Schiedsrichter ab und teilte mir mit, dass das Rennen ganz abgebrochen wird. Der Regen war zu stark und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Zurück in der Wechselzone konnten wir auch unschwer feststellen, dass der See bereits mehr als die Hälfte der Wechselzone überflutet hatte und es unmöglich gewesen wäre, die Räder während des Laufens zurück an die Wechselplätze zu stellen.

Enttäuscht und frierend holte ich meine Sachen von meinem Wechselplatz, der glücklicherweise noch nicht überschwemmt war. Es war klar, dass der Entscheid, das Rennen abzubrechen, nötig gewesen war. Trotzdem war die Enttäuschung gross, da ich den Wettkampf gut vorbereitet hatte und ich überzeugt war, dass ein erfreuliches Resultat hätte gelingen können.

Paradoxerweise war der Himmel am Montag wolkenlos und die Sonne schickte bereits frühmorgens wärmende Strahlen auf's Lido in Locarno. Die Wechselzone allerdings lag mittlerweise komplett im Wasser. Einzig die Veloständer schauten heraus und ein paar liegen gebliebene Badekappen und Velobidons erinnerten daran, dass hier am Vortag ein Triathlon hätte stattfinden sollen.

Die verbleibenden Wochen bis zu den Ironman 70.3 Weltmeisterschaften in Clearwater werden dem weiteren Aufbau gehören, und ich werde voraussichtlich keinen weiteren Triathlon mehr bestreiten bis zur WM. Eventuell werde ich trainingshalber ein paar Läufe absolvieren, um trotzdem etwas im Wettkampfrhythmus zu bleiben. Am 4. Oktober gehts ausserdem für zwei Wochen nach Mallorca, um nochmals an der Radform zu feilen, bevor ich anfangs November in die USA fliegen werde.

Das untenstehende Bild entstand am darauffolgenden Morgen am Eingang der Wechselzone...

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