5. Rang am Ironman Switzerland 13.07.2008

Zum ersten Mal in meiner Triathlonkarriere startete ich gestern auf der Langdistanz, am Ironman Switzerland in Zürich. Und es sollte ein richtiger Ironman werden...

Am frühen Morgen in der Wechselzone boten wir Athleten/-innen sicherlich ein lustiges Bild: Fest eingepackt in dicke Jacken und Regenkleider richteten wir unsere Wechselzone ein. Es war gar nicht so einfach, einzelne, erst später benötigte Utensilien trocken zu halten, regnete es doch unablässig und durchgehend. Trotzdem war die Stimmung in der Zone der Professionals recht gut und wir versuchten, das Wetter und die Kälte mit Humor zu nehmen.

2222 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren für das gestrige Rennen gemeldet. Da war ich doch froh, durften wir Pros fünf Minuten früher starten und blieben somit vom üblichen Startgedränge solch grosser Felder verschont. Die Schwimmstrecke von 3.8km führte über zwei Runden, wobei nach der ersten das kleine Safainseli rennend überquert werden musste, bevor's auf der anderen Seite gleich mit Runde zwei weiterging.

Das Schwimmen verlief für mich relativ ruhig, und ich konnte mein Tempo über grosse Teile der Strecke durchziehen. Als sechste Frau kam ich nach etwas weniger als einer Stunde zurück in die Wechselzone. Aufgrund der ca. 14 Grad kalten und vorallem sehr nassen Witterung hatte ich mich entschieden, deutlich mehr anzuziehen, als dies sonst bei einem Triathlon der Fall war: Mit langen Tights, einem langärmligen Radtrikot und sogar mit Schuhüberzügen machte ich mich auf die 180km lange Radstrecke.

Gleich auf den ersten paar hundert Metern war ich mehr als froh, mir diese zusätzliche Zeit in der Wechselzone genommen zu haben: Der kalte Regen und die ohnehin schon kühle Temparatur machte das Radfahren nochmals eine Stufe härter, als es ohnehin schon war. Obwohl es bei mir an zu wenig Kleidung nicht gelegen hatte, fühlte ich mich auf dem Rad nicht besonders wohl und ich spürte bereits auf der ersten der zwei Radrunden, dass ich nicht den gewohnten Druck auf's Pedal geben konnte. Ich hoffte, dies würde sich mit zunehmender Renndauer noch etwas bessern, aber leider traf das Gegenteil zu, und ich fühlte mich ca. ab Kilometer 70 noch kraftloser und auch etwas verunsichert. Zudem machte sich auch der Gesässmuskel, welcher bereits im Vorfeld des Wettkampfs Probleme verursacht hatte, unangenehm bemerkbar, was auch nicht half, die zweite Runde passabler zu absolvieren. Alles in allem also kein berauschender Veloabschnitt. Trotzdem wechselte ich nach dem Rad als siebte Frau auf's Laufen.

Hier konnte ich dann definitiv spüren, dass ein Ironman eben seine eigenen Gesetze hat, und ich durfte mit Freude feststellen, dass sich meine Beine zum Laufen super anfühlten. Zwar kamen mir die verbleibenden 42.2km zu Beginn der Laufstrecke schon etwas gar lang vor, aber die Zeiten auf den ersten paar Kilometer waren sehr gut und ich fürchtete eigentlich eher, dass ich die Laufstrecke zu schnell angegangen war. Aber auch nach zehn und zwanzig Kilometer fühlte ich mich immer noch tiptop. Und obwohl ich im Hinterkopf stets die warnenden Vorwettkampfratschläge meiner erfahreneren Ironman Gspändli hatte, die besagten, dass die Krise auf der Laufstrecke bestimmt irgendwann auftauche, war eine solche nicht in Sicht und ich konnte Kilometer um Kilometer abspulen. Erfreulicherweise bekam ich auch stets die Hinweise, dass ich nach vorne Zeit gut machte, was mich natürlich zusätzlich motiviert und beflügelt hat. Schlussendlich konnte ich mich noch um zwei Plätze verbessern und ich erreichte nach 9h45' erleichtert und glücklich als Fünfte das Ziel.

Nicht nur die Tatsache, dass ich den Marathon am Schluss problemlos und "krisenfrei" durchlaufen konnte, sondern auch die grossartige Unterstützung an der Strecke haben diesen Abschnitt des Rennens zu einem speziellen Erlebnis gemacht. Meine persönlichen Betreuer, meine Familie und unzählige Freunde und Bekannte standen verteilt um das Zürcher Seebecken und haben einen grossen Teil dazu beigetragen, die 42.2km mental etwas kürzer erscheinen zu lassen. Herzlichen Dank für die Unterstützung, die hat unglaublich geholfen!

Alles in allem war der gestrige Tag ein super Erlebnis mit vielen Facetten: Meine super Betreuer, das "spezielle" und für Juli doch etwas ungewöhnliche Wetter, die Ironman-spezifische Atmosphäre, die für mich ungewohnte Krise auf dem Rad und der dafür umso erfolgreichere Marathon werden ihren Teil dazu beitragen, dass mein erster Ironman eine bleibende Erinnerung sein wird! Und das Tüpfli aufs "i" ergab sich nach Durchsicht der Rangliste heute Morgen: Meine Marathonzeit war die schnellste Laufzeit aller Frauen am gestrigen Tag, worüber ich mich unglaublich freue!

Rangliste Overall Frauen >>

Bilder zum Rennen findet Ihr hier >>

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